Im Rheinland braut man seit mehr als 1000 Jahren gutes Bier und besonders in der Stadt Köln genießen Kölsch-Bier und Kölsch- Brauer seit alter Zeit großes Ansehen. Kern und Herzstück Kölner Braukultur sind die vielen Brauhäuser, in denen man das obergärige Kölsch direkt vom Faß auf den weißgescheuerten Tisch bekommt.




Der erste Kölner Brauer.... Henricus Medebruer (Bierbrauer), den die Geschichtsschreibung erwähnt, lebte schon im Jahre 1164 im Schatten des Domes in der Bechergasse, nur einen Steinwurf entfernt, von der Straße "Unter Taschenmacher", wo sich heute das Brauhaus Sion befindet. Diese uralte Straße lief entlang der römischen Stadtmauer an der Rheinseite, aber noch innerhalb der Römerstadt.




Im 12. Jahrhundert hieß sie "An Rindshuderen", weil hier die Rinderhäute verarbeitet wurden. Später wurde man etwas vornehmer und nannte sich "Inter corduanarios", bei den Corduanlederverarbeitern, auf deutsch "Unter Taschenmacher". Ihre Bedeutung erhielt die Straße dadurch, daß sie der direkte Verbindungsweg zwischen dem erzbischhöflichen Palast und dem Rathaus war. Die westliche Straßenseite war die älteste und daher auch bedeutendere und sie umfaßte die heutigen Hausnummern 3-15. Die Häuser waren im Mittelalter nicht numeriert, -das wurde erst von den Franzosen im Jahre 1796 eingeführt - sondern sie besaßen meistens schmückende Namen, die auf ein Wappen oder den Eigentümer hinwiesen.



Geht man einmal vom Dom aus, so fällt einem als erstes das schöne Haus Saaleck (Nr.15), ein altes Handelskontor auf. Neben diesem stand das Haus "Scharpenstein" (Nr.13), das kleinste Haus in der Straße. Das nächste Haus "Zum Ferken" (Nr.11) betonte den ländlichen Charakter, den die Straße einmal hatte. Das Haus "Zum roten Schildt" (Nr.9) gehörte einem Kerzenmacher und hieß daher auch "Kerzeguitlicht". Das Haus "Lichtenstein" (Nr.7) war mit der Nr.9 ein Doppelhaus, denn beide Häuser haben auf einer Abbildung nur einen Eingang.

Das für unsere Brauhaus-Historie wichtigste Gebäude ist natürlich das Haus "Zum roten Ochsen" (Nr.5) auch "Kusins Haus" genannt. Im Schreinsbuch (Katasterregister) der Pfarre St.Laurenz heißt es über dieses Haus im Jahre 1318: Im Haus "Zu den Kusinen", welches "Medeburgers" genannt wird, in welchem Johannes Braxator ( der Bierbrauer) wohnt gegenüber dem Haus Refardi neben dem Hause "Leytinsteyn". Hier wurde also bereits vor mehr als 650 Jahren Bier gebraut, eine wahrhaft uralte Kölner Brauertradition. Das letzte Gebäude in der Straße war das Haus "Zum güldenen Schwert" (Nr.3). In der reichsstädtischen Zeit lebt man ruhig und zufrieden, braut so still vor sich hin und erst im Jahre 1838, als die Preußen am Rhein regierten, liest man wieder vom Brauhaus "Unter Taschenmacher". Der Brauer heißt Christian Peter Herbertz und braut hier bis 1852.




Dann übernimmt die Familie Joseph Jüsgen die Braustätte und führt sie fast 60 Jahre lang. Ab 1912 macht Jean Sion das Brauhaus, das mittlerweile Dombrauerei heißt, zu einem der beliebtesten bürgerlichen Treffpunkte in der Stadt. Die Kölner nennen es liebevoll "Et Dombräues" oder "Em Sion". Im zweiten Weltkrieg wird das Brauhaus bereits 1942 total zerstört und die andauernden Fliegerangriffe verhindern einen schnellen Wiederaufbau. 1951 steht das traditionsreiche Brauhaus wieder an alter Stelle und die Kölner danken es ihm mit regem Besuch. Heute nach kompletter Wiederherstellung hat das Brauhaus "Unter Taschenmacher" wieder seinen alten Platz im Kranz der vielen Kölner Brauerei- Gaststätten, die ein lebendiges Zeugnis des Fleißes und der Schaffenskraft der Kölner Bürger sind.


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